Rückblick Empfang 2026
HACK THE SYSTEM
HACK THE SYSTEM!
Klare Worte, starke Perspektiven und ehrliche Einblicke beim Jahresempfang des Forum Frauennetzwerke Region Stuttgart
Wie gelingt beruflicher Erfolg in Systemen, die noch immer nicht für alle die gleichen Chancen bieten? Welche Strukturen müssen hinterfragt werden und wie können Frauen lernen, sich darin sichtbarer, mutiger und strategischer zu bewegen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der diesjährige Jahresempfang des Forum Frauennetzwerke Region Stuttgart am 21. Mai in der IHK Region Stuttgart. Unter dem Motto „Hack the System!“ kamen rund 350 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Medien und Gesellschaft zusammen, um über faire Karrierechancen, Machtstrukturen und gegenseitiges Empowerment zu diskutieren.
Durch den Abend führten Ilse de la Cruz-Gomez und Dr. Claudia Guggemos, die mit persönlichen Einordnungen, Charme und klaren Impulsen immer wieder den roten Faden des Abends aufgriffen: Wie können Frauen bestehende Systeme nicht nur verstehen, sondern aktiv mitgestalten und verändern? Bereits zur Begrüßung wurde deutlich, worum es an diesem Abend gehen sollte: „Wir feiern Vernetzung und Engagement.“ Und genau diese offene, inspirierende und zugleich überraschend ehrliche Atmosphäre zog sich durch den gesamten Abend.
Begrüßung und Eröffnung
Zum Auftakt begrüßte Dr. Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart, die Gäste per Videobotschaft. Sie betonte die gesellschaftliche Bedeutung von Vielfalt, Perspektivenreichtum und chancengerechter Teilhabe, gerade auch mit Blick auf die Zukunft von Wirtschaft und Arbeitswelt.
Barbara Straub, Abteilungsleiterin Chancengleichheit der Stadt Stuttgart, eröffnete mit ihrem Grußwort den inhaltlichen Teil des Abends mit der Fragestellung: Habe ich schonmal das System gehackt? – und traf damit direkt den Kern des Veranstaltungsmottos. Schnell wurde deutlich: „Hack the System!“ war keine Kampfansage gegen bestehende Strukturen. Vielmehr ging es darum, Mechanismen sichtbar zu machen, die oft unbewusst wirken und Wege zu finden, sie aktiv zu verändern. „Es braucht Mut und auch die Bereitschaft, Risiken einzugehen, um den entscheidenden Moment zu erkennen und ihn entschlossen zu nutzen“, so Straub.
Ein besonderer Meilenstein: Gründung als Verein
Mit dem diesjährigen Jahresempfang setzte das Forum Frauennetzwerke Region Stuttgart zugleich einen besonderen Meilenstein: Nach Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit als lose Initiative gründete sich das Netzwerk im Juli 2025 offiziell als Verein. Der siebte Jahresempfang fand damit erstmals in der neuen Vereinskonstellation statt. Begrüßt wurden die Gäste vom Vereinsvorstand mit Bettina Kies-Hartmann, Melina Bosch und Martina Sadler. Dabei wurde deutlich, worauf das Forum Frauennetzwerke Region Stuttgart seit Jahren setzt: auf Austausch, gegenseitige Unterstützung und die Kraft unterschiedlicher Netzwerke. Das Forum verstehe sich bewusst als offene Plattform, die Frauen aus unterschiedlichsten Bereichen zusammenbringt, Perspektiven verbindet und gemeinsame Sichtbarkeit schafft.
Impuls-Speakerinnen: Drei persönliche Perspektiven
Im Zentrum des Abends standen die drei Impuls-Speakerinnen Dr. Dorthe Heinsohn, Stefanie Gester und Karin Schieszl-Rathgeb, die auf sehr persönliche und zugleich inspirierende Weise über Karrierewege, Machtstrukturen und innere Barrieren sprachen.
Sichtbarkeit und mentale Muster
Dr. Dorthe Heinsohn, Sparringspartnerin für Führungspersönlichkeiten und Inhaberin von Dr. Heinsohn Consulting, sprach offen über Selbstzweifel, Sichtbarkeit und mentale Muster, die viele Frauen ausbremsen. „Ich dachte: Wenn ich gut genug bin, dann reicht das“, sagte sie rückblickend. Ein Satz, den viele im Publikum nur zu gut kannten. Besonders eindrücklich war ihr Appell, die eigene Rolle im System bewusst wahrzunehmen: „Wenn du einen Satz mitnimmst heute Abend, dann den: ICH bin Teil des Systems.“ Dabei gehe es nicht nur um äußere Strukturen, sondern auch um innere Prozesse. „Das ganze Zeug, was im Kopf passiert, nenne ich liebevoll „Mindfuck“. All das zieht dir Energie.“ Mit viel Energie und Klarheit ermutigte Heinsohn deshalb die Gäste dazu, sich selbst größer zu machen und mutiger aufzutreten: „Stellt euch gerade hin und denkt: Ja, ich rocke das heute.“ Symbolisch überreichte sie allen Besucherinnen einen Spiegel in Herzform mit den Worten: „Schaue in den Spiegel und denke immer daran, Du bist wirksam, Du bist mächtig.“
Strategische Positionierung und Netzwerke
Auch Stefanie Gester, Director Sales/Marketing/Business Development bei ELMA Electronic, sprach offen über persönliche Erfahrungen mit Karriere und Sichtbarkeit. Lange sei sie davon ausgegangen, dass gute Leistung automatisch wahrgenommen und belohnt werde. Als eine Beförderung, für die sie sich fachlich bestens geeignet sah, an einen männlichen Kollegen ging, habe sie sich zunächst gefragt: „Was stimmt nicht mit mir?“ Heute wisse sie, dass Kompetenz allein oft nicht ausreiche. „Ich habe mich nicht proaktiv sichtbar gemacht. Heute verwende ich viel Zeit darauf, mich strategisch günstig zu positionieren“, sagte Gester.
Besonders wichtig sei außerdem der Aufbau von Verbündeten: „Ich habe nicht genug auf meine Verbündeten geachtet. Heute stecke ich viel Energie in die Pflege meiner Verbündeten.“ Netzwerke seien dabei keine Nebensache, sondern entscheidend: „Andere empowern. Zielgerichtet netzwerken. Das ist ein reziprokes System, das man gut bespielen sollte.“
Besonders praxisnah wurde es bei der Publikumsfrage, wie Frauen überhaupt Zugang zu Entscheidungsträgern und Machtstrukturen finden können. Stefanie Gester ermutigte die Gäste dazu, Hemmschwellen abzubauen und aktiv auf relevante Personen zuzugehen, auch außerhalb der eigenen Komfortzone. Wichtig sei zunächst, überhaupt zu verstehen, wer Einfluss habe und welche Personen Entscheidungen treffen. Gleichzeitig appellierte sie daran, die eigene Geschichte klar und selbstbewusst zu erzählen: „Habt eine gute Story. Kommt auf den Punkt. Langweilt sie nicht.“ Gerade Frauen würden häufig zu lange warten, bis sie sich sichtbar machen oder den Kontakt suchen. Dabei brauche es oft genau diesen mutigen ersten Schritt.
Nischen finden und Sprache gestalten
Karin Schieszl-Rathgeb, Ordinariatsrätin und Leiterin der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft der Diözese Rottenburg-Stuttgart, blickte auf ihren eigenen beruflichen Weg zurück und sprach über gesellschaftliche Entwicklungen, Rollenbilder und Sprache als Instrument des Wandels. Statt auf klassische Karrierewege zu setzen, entwickelte Karin Schieszl-Rathgeb ihren ganz eigenen Zugang, um sich in bestehenden Strukturen Raum zu schaffen. Ihren persönlichen „Hack“ formulierte sie dabei überraschend einfach: „Ich habe immer wieder Nischen gefunden, die mich weitergebracht haben.“ Als erste persönliche Referentin eines Bischofs in Deutschland habe sie früh erlebt, was es bedeutet, sich in männlich geprägten Strukturen zu behaupten. Hack the System bedeutet, dem männlichen Umfeld in dem sie sich bewegt immer einen Schritt voraus zu sein, Innovative Themen zu pushen. Über Kommunikation und Sozialethik über Nachhaltigkeit und Demokratie bewegt sich zu Zukunftstrends mit KI. Zukunft beginnt dort, wo das System noch nicht hinschaut, so Schieszl-Rathgeb.
Ihr ist es wichtig, Frauen zu empowern. Frauen in Führung müssen nicht die besseren Männer werden. „Gleichstellung darf sich nicht nur auf Frauen beziehen, sondern mir ist ein wichtiger Aspekt die Teilhabe, dass wir alle Gender mit einbeziehen und vor allem mitdenken.“
Lebhafte Fragerunde mit 68 Publikumsfragen
Dass die Themen des Abends viele Menschen bewegten, zeigte die außergewöhnlich intensive Fragerunde mit insgesamt 68 Publikumsfragen. Diskutiert wurde über Selbstzweifel, Macht, Sichtbarkeit, Sinnhaftigkeit im Beruf und die Frage, wie Veränderung konkret gelingen kann. Dr. Dorthe Heinsohn appellierte daran, sich nicht kleiner zu machen, als man ist: „Macht euch groß und stark. Stellt euch gerade hin und denkt: Ja, ich rocke das heute.“ Veränderung beginne oft damit, die eigenen inneren Grenzen zu hinterfragen und mutiger sichtbar zu werden.
Auch Sprache wurde an diesem Abend als Teil gesellschaftlicher Veränderung diskutiert. „Ich finde es klasse, dass wir anfangen zu gendern. Sprache ist ein Mittel, um Kultur zu verändern“, sagte Karin Schieszl-Rathgeb. Gleichzeitig machte Dr. Dorthe Heinsohn deutlich, dass sich bereits vieles bewege: Immer mehr Frauen übernehmen Führungsverantwortung, und auch Unternehmen erkennen zunehmend den Wert unterschiedlicher Perspektiven und diverser Teams. Umso wichtiger seien Sichtbarkeit, gegenseitige Unterstützung und starke Vorbilder. „Es ist wichtig, uns Führungsfrauen als Role Models zu haben“, ergänzte Stefanie Gester.
Networking und Ausblick
Neben den inhaltlichen Impulsen bot der Jahresempfang vor allem eines: Raum für Begegnung. Beim anschließenden Networking wurde diskutiert, weitergedacht und neue Kontakte geknüpft. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, sich über Erfahrungen, Herausforderungen und gemeinsame Ideen auszutauschen. Der Jahresempfang 2026 zeigte eindrucksvoll, wie kraftvoll Netzwerke sein können, wenn Menschen gemeinsam Haltung zeigen, Perspektiven teilen und Veränderung aktiv gestalten wollen. Oder, wie es an diesem Abend immer wieder spürbar wurde: Systeme verändern sich nicht von allein, aber gemeinsam lässt sich mehr bewegen.
Ein besonderer Dank an unsere Unterstützer:Innen
Ein besonderer Dank gilt allen Unterstützer:Innen – neuen wie langjährigen –, die mit ihrem Engagement, ihrer Zeit, ihren Ideen und Ressourcen diesen Jahresempfang möglich gemacht haben. Ihre Vielfalt und Ihr Einsatz zeigen eindrucksvoll, was wir gemeinsam bewegen können.
Nach dem Empfang ist vor dem Empfang
Wir freuen uns schon jetzt, Sie / Euch alle nächstes Jahr beim Jahresempfang 2027 (wieder) zu begrüßen!
Impressionen vom Jahresempfang 2026
Fotos von Hubert Hartmann









